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Die letzten Tage der Menschheit

25. September 2026, 2 Min. Lesezeit

Siehst du Parallelen zu heute?

Ein Zeitungsverkäufer ruft die Extraausgabe aus

Die Frage stellt im Film die Influencerin, und zwar zuerst einer künstlichen Intelligenz. Die sieht Parallelen, ohne lang nachzudenken. Die Influencerin nimmt es trocken: Wenn schon eine Maschine Parallelen sieht, wie geht’s dann erst uns natürlichen Dummerln?

Die Menschen im Film haben länger nachgedacht. Das Ergebnis ist nicht beruhigender.

„Wenn ich die letzten Tage der Menschheit jetzt lese, geht einem ein Licht nach dem anderen auf, was die Gegenwart betrifft.“

Heribert Prantl, Journalist

„Man könnte sagen, wir befinden uns derzeit in einem Weltkrieg.“

Emil Brix, Diplomat

„Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie folgt denselben Mustern.“

Markus Reisner, Offizier und Historiker

Ein Journalist, ein Diplomat, ein Offizier. Drei Berufe, die von Berufs wegen vorsichtig formulieren, und alle drei landen am selben Punkt. Ich sage gleich dazu, dass ich befangen bin, es ist mein Film, und ich halte die Frage naturgemäß für die richtige. Die Antworten stammen aber nicht von mir. Das macht sie nicht bequemer.

Am konkretesten zieht Christian Ortner die Linie. Er beschreibt eine Großmacht, die sich nicht mehr ernst genommen fühlt, ihre Argumente international nicht mehr anbringen kann und daraus eine Kurzschlussreaktion entstehen lässt, vergleichbar mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien im Juli 1914. Markus Reisner ergänzt, wie die russische Regierung ihrer Bevölkerung den Krieg erklärt: nicht als Angriff auf die Ukraine, sondern als neuen Großen Vaterländischen Krieg, als Überlebenskampf gegen den Westen.

Das ist die zweite Parallele, und sie ist die unangenehmere. Jede Seite erzählt ihren Krieg als Verteidigung. 1914 war das nicht anders: Man war von lauter Feinden umringt, man führte einen heiligen Verteidigungskrieg, so reden die Figuren in Kraus’ Stück, und Kraus hat solche Reden nicht erfunden. Die Zeitungen lieferten das Gefühl, die Regierung reichte die Begründung nach.

Eine Parallele ist allerdings kein Gleichheitszeichen. Niemand im Film behauptet, 2026 sei dasselbe wie 1914. Es geht um etwas Bescheideneres und zugleich Nützlicheres: Wer die Muster kennt, sieht früher, wohin sie führen. Das ist keine Prophezeiung. Das ist Hausverstand mit Quellenangabe.

Aus der Reihe „Nachgefragt“: Die Influencerin im Film fragt, Fachleute aus dem Film antworten. Kinostart und Filmgespräche · Wer im Film spricht